21/04/2021
Offener Brief:
Sehr geehrter Herr Hirte, sehr geehrte Bundestagsabgeorneten
Wie Millionen anderer Menschen arbeite wir im Einzelhandel und machen uns Sorgen. Um unsere Arbeitsplätze, um unsere Filialen und das Leben in unserer Stadt. Denn unsere Geschäfte sind schon seit über einem halben Jahr geschlossen, wir stecken wieder einmal im Lockdown – und ein Ende ist nicht in Sicht!
Nun lesen wir, dass das neue Infektionsschutzgesetz wieder eine Schließung der Geschäfte in ganz Deutschland vorschreiben soll. Dabei sei nicht einmal gesichert, dass man zukünftig mit negativem Testergebnis oder Impfnachweis einkaufen kann.
Bei aller Solidarität – das verstehen wir nicht! Inzwischen sind wir doch eigentlich so viel schlauer:
● Das RKI stuft das Infektionsrisiko im Einzelhandel als niedrig ein – das ist die gleiche Risikostufe wie bei Zusammenkünften in Parks und auf Spielplätzen im Freien!
° Die Bundesgartenschau in Erfurt, mit täglich 25.000 Besuchern und inklusive Außengastronomie, darf stattfinden, aber gleichzeitig müssen unzählige Geschäfte und Cafes in thüringer Innenstädten geschlossen bleiben
● Eine Studie von Professor Nagel besagt, dass eine vollständige Schließung des Einzelhandels nach der Einführung der Maskenpflicht kaum zusätzliche Wirkung für den Infektionsschutz hat.
● Im Einzelhandel finden täglich 50 Millionen Kundenkontakte statt. Davon entfallen 40 Millionen auf den Lebensmitteleinzelhandel, der während der Pandemie nie geschlossen war. Und selbst da liegt die Infektionsquote im unauffälligen Bereich.
Wir finden, es sollte selbstverständlich sein, dass man auch bei einer hohen Inzidenz einkaufen gehen kann. Das Ansteckungsrisiko ist gering, es gibt ausreichend Schnelltests und bewährte Hygienekonzepte. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Drogerien beweisen jeden einzelnen Tag, wie gut es funktioniert! Also wieso wird der Bevölkerung gesagt, dass es dort ungefährlich sei einzukaufen, während der Besuch in unseren Geschäften angeblich ein Risiko birgt?
Weder wir noch unsere Kolleginnen und Kollegen wollen sich anstecken. Wir alle haben Familie
und schutzbedürftige Angehörige. Schon deshalb werden wir alles tun, damit man bei uns sicher
einkaufen kann! Wir brauchen jetzt nicht noch mehr Lockdowns und undurchsichtige Regeln, die
den Einzelhandel benachteiligen. Wir brauchen faire Hilfen, eine verbindliche Öffnungsperspektive
– und ihre Unterstützung.
Bitte stellen Sie die Menschen ins Zentrum Ihrer Überlegungen – und denken Sie an uns, wenn
sie über das neue Gesetz abstimmen.
Mit hoffnungsvollen Grüßen
Ihr mode.knopf & Schuh Knopf-Team