18/12/2023
Liebe Freunde, heute wäre der 100. Geburtstag meines Vaters Gerhard Wilczek, dem „kölschesten Schlesier!“
Köln, Ehrenfeld und Schlesien haben ihm viel zu verdanken!
Ich möchte hier kurz an ihn erinnern: Gerhard Wilczek wurde am 18.12.1923 als drittes von sechs Kindern in Schlesien (Breslau) geboren. Nach Ausbildung, Arbeits- und Wehrdienst – als Soldat wurde er in Russland (Stalingrad) schwer verletzt und verlor einen Arm. Er kam als Kriegsflüchtling von Schlesien, über Österreich und Westfalen schließlich 1949 nach Köln.
Hier assimilierte er sich schnell in seiner neuen Heimat Er war im wirtschaftswissenschaftlichen Institut des DGB tätig und trat der SPD bei. Von 1956 - 1975 war er direkt gewähltes Ratsmitglied in seinem Wahlkreis Ehrenfeld. Hier engagierte er sich stark und war der Erste, der sich akribisch mit der Erforschung des Kölner Nordwesten beschäftigte. 1967 erschien seine erste Stadtteil-Chronik „Ehrenfeld – einst und jetzt“. Ein Standardwerk, dass vielfach als Quelle für heutige Veröffentlichungen dient. Zwei weitere Bücher über den Stadtteil folgten. Er engagierte sich parteiübergreifend. Er war über 35 Jahre im Vorstand und von 1975 bis 1987 Vorsitzender der Bürgervereinigung Ehrenfeld ! In dieser Funktion war er Motor der Ehrenfelder Kommunalpolitik und des Volkslebens „om Ihrefeld“! Er publizierte umfassend und kreierte mehre hundert Dia-Vorträge und zahlreiche Ausstellungen zu speziellen Kölner und Ehrenfelder Themen. Der Kölner Karneval hatte in früh „gepackt“ und er gehörte vielen Karnevalsgesellschaft an, u.a. war er einer der ersten Ehrensenatoren der späteren Bürgergarde blau-gold. Für den Festausschuss Ehrenfelder Karneval wirkte er 33 Jahre. Davon über 20 Jahre als Präsident. Er hat das Kölner Kinderdreigestirn mit aus der Taufe gehoben und den Ehrenfelder Dienstagszug etabliert.
Aber auch der gesamtstädtische Karneval hat es ihm angetan. Als eifriger Sammler und Bewahrer wurde er Vorstandsmitglied/Archivar des Festkomitees Kölner Karneval und baute das Heimatmuseum auf und entwickelte es zum ersten Kölner Karnevalsmuseum, deren Direktor er 10 Jahre war.
Er engagierte sich aktiv für die Städtefreundschaft Kölns mit Breslau, baute die „Breslauer Sammlung Köln“ auf und war Mitglied in weiteren schlesischen Kulturgremien. Für die Erforschung der Beziehungen zwischen Köln, Schlesien und Breslau wurde ihm 1979 der Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland verliehen. Der beliebte Oberbürgermeister von Köln, „Döres“ Theo Burauen, verlieh ihm das Prädikat der „kölscheste Schlesier“.
Gerhard Wilczek erhielt viele weitere Auszeichnungen: So erhielt er am 25. Oktober 1977 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1989 verlieh ihm NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, für sein ehrenamtliches Engagement den Landesverdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Zudem erhielt er die Willi Ostermann Medaille, die Schmitz- und Kallendresser-Orden. Wegen seines außergewöhnlichen Engagements wurde am 12. Februar 2007 wurde ein Platz in Ehrenfeld nach ihm benannt. Darüber hinaus wurde er mehrfach von Organisationen geehrt und war Ehrenmitglied zahlreicher Vereine und Verbände.
Gerhard Wilczek starb 2003 im Alter von 79 Jahren. Er liegt auf dem Kölner Westfriedhof begraben (Lage 31:298). Sein Lebenswerk wäre aber ohne seine Frau Charlotte, meine Mutter, nicht möglich gewesen. Sie verstarb im September 1998.
Wer weitere Informationen sucht, findet sie z.B. hier:
http://www.koelnwiki.de/wiki/Gerhard_Wilczek
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Wilczek_(Heimatforscher)