18/08/2025
„Wenn Lola im August in die Schule kommt, wollen wir morgens gemeinsam mit dem Fahrrad starten. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass sie den Weg irgendwann alleine fahren soll, bekomme ich schon Bauchschmerzen – vor allem wegen des Stadtverkehrs und, weil ich merke, wie viel Konzentration die Kinder dafür brauchen. Früh am Morgen, noch mit Schlaf in den Augen, oder am Nachmittag, wenn sie total erschöpft von der Schule zurückkommen. Grundsätzlich ist mein Mann häufiger mit Lola und dem Rad unterwegs. Er legt großen Wert darauf, dass sie auf der Straße fährt und das von Anfang an lernt. Ich selbst merke, dass mir dafür oft die Ruhe und das Urvertrauen fehlen – vor allem, weil meine Sorge so groß ist. Manchmal vergisst sie an der Ampel zu bremsen, fährt mir ins Hinterrad … All das macht es mir schwer, sie morgens mit gutem Gefühl loszuschicken. Was ich auch oft beobachte: Es gibt immer noch viel Unklarheit darüber, wann Kinder auf dem Gehweg fahren dürfen und wann nicht. Häufig beschweren sich Menschen, wenn Lola zu nah an ihnen vorbeifährt – dabei haben Kinder oft ein anderes Nähe-Distanz-Empfinden. Vor allem bei älteren Leuten fällt mir auf, dass wenig Rücksicht auf Kinder genommen wird. Was ich dagegen sehr schön finde: An den Zebrastreifen halten wirklich alle an. Und obwohl wir eigentlich absteigen müssten, wenn wir ihn als Radfahrer*innen überqueren, wird uns oft die Vorfahrt gewährt. Das erlebe ich als sehr rücksichtsvoll. Wir versuchen, Lola nicht mit zu vielen Verkehrsregeln zu überfordern. Stattdessen besprechen wir die Strecke und die wichtigsten Regeln vorher oder im Nachhinein. Leider liegt die gesamte Verkehrserziehung bei den Eltern. Ich hatte das Thema im Kindergarten einmal angesprochen, aber da gab es schlicht keine Kapazitäten. Ich würde mir sehr wünschen, dass es sowohl im Kindergarten als auch in der Vorschule und Schule Angebote zur Verkehrserziehung gibt – nicht nur durch die Eltern, sondern mit Unterstützung von außen. Wenn das Wissen von externen Expert*innen kommt, wie vom ADFC oder der Polizei, wird es auch viel besser angenommen. Eltern als Verkehrslehrer*innen reichen einfach nicht aus.“ – Jenny & Lola