16/05/2026
MUTTER
Ohne Sie wäre ich nicht ich. Mit allen Konsequenzen. Getragen habe ich, als Tochter, ihren Zorn und ihren Schmerz. Erblühen ließ mich ihr Lachen und ihr spärlich gesätes Lob. Ihre Liebe zu mir war sicherlich die Größte die sie geben konnte. Doch oftmals war die Frequenz von Sender und Empfänger nicht korrekt eingestellt. So gab es ein Leben voller Dissonanzen. Geprägt von Schmerz und Leid auf beiden Kanälen.
Hätten wir es ändern können ?
Ich glaube nicht. Sie war zu stark für mich. Stark gemacht durch das , wodurch sie durchgehen musste.
Der Weg vom Flüchtlingskind, das mit Mutter und Großmutter ein Zimmer auf einen Bauernhof Nähe Trostberg zugewiesen bekommen hat , mit Toilette auf dem Misthaufen , zu einer Chefdesignerin emporzusteigen kostet Kraft , braucht Härte , Strenge und Disziplin. Das Fell musste dick werden um den seelischen Schmerz als Schulkind zu ertragen ,ein Flüchtling zu sein mit 50 bayerischen Kindern in einer Klasse, die sie alle nicht wollten. Einfach nur weil sie nicht war wie die anderen.
All das … all das und noch soviel mehr hat sie zu dem gemacht was sie war.
Sie war nicht mein Vorbild , da ihre Härte oft in meinem Gesicht gebrannt hat.
Ich weiß heute , dass sie nicht anderes konnte. Geschichte prägt. Erlebtes hinterlässt immer Spuren und Narben.
Was ich aber weiß ist , dass ich den Schlüssel bekommen habe. Durch mein Erleben , meinen Kindern mit weitem Herzen, Toleranz und und niemals versiegender Liebe entgegenzutreten.
Auch wenn dieser Schritt bedeutet hat einen Schritt von ihr wegzugehen und mich der , meiner Zukunft zuzuwenden.
Mutter - im Himmel … ich hoffe Du kommst da an …verzeih Dir und flieg