31/07/2024
Georg Haase berichtet weiter über die Zeit in der DDR (leider sind in diesen Jahren kaum Foto's entstanden..) ..Am 30. Juni 1983 zogen die Eltern also ins gelobte Land, und Anfang August wurde ich für sechs Wochen zur NVA einberufen, Reservedienst in Spremberg. Hat der DDR-Staat uns schon mal wissen lassen, wer hier das Sagen hat? Wir haben es so empfunden. Eine Zumutung jedenfalls für meine Katharina, mit drei kleinen Kindern und dem Geschäft plötzlich allein dazustehen. Ansonsten waren die achtziger Jahre geschäftlich arbeitsreich, teilweise sogar chaotisch. Aber es waren gute, erfolgreiche Jahre. Die Altherrenriege des Politbüros hatte eingesehen, dass Privatinitiative in der Wirtschaft vielleicht doch einen Nutzen „für die Versorgung der Bevölkerung" bringen könnte; also beschloss man, diese zu fördern. Wenn wir dies auch nicht als Förderung empfanden; aber wir wurden nicht mehr so stark behindert. Das Hauptproblem war in dieser Zeit, genügend Ware für die ständig steigende Nachfrage bereitzuhalten, ein Fass ohne Boden. Die staatlich reglementierte und bilanzierte Warenbereitstellung machte maximal 40 % unseres Bedarfs aus, der Rest musste organisiert werden. Und es gab für uns die passende Ware. Zwischen Suhl und Grevesmühlen hatten wir mit unserem treuen Skoda- Kombi freie Fahrt, und das haben wir reichlich genutzt. Es gab nicht eine Fahrt, von der wir mit leerem Auto zurückkamen: Großhandel Berlin, (Russen-) Spezialhandel Leipzig, Objekte der NVA, Kleinserien aus div. PGH (Produktionsgenossenschaften des Handwerks), viele Textilfirmen. Erstaunlich, was es dort alles zu holen gab! Was wir mit dem Auto nicht wegbekamen, wurde nachgesendet. Freilich durfte man nicht vergessen, ein paar Mark Kleingeld mitzunehmen — wer gut schmeert, der gut fährt...
Mit den Vertretern unseres Handelspartners HO Riesa hatten wir einen brauchbaren bis guten persönlichen Draht. Allerdings gab es jährlich ein Tauziehen bei der Neufestlegung der Provision, so nannte man die Tätigkeitsvergütung der Kommissionshändler. Aus heutiger Sicht sind wir mit Trinkgeldern abgespeist worden. All das hat uns nicht beirrt; wir haben unseren „Laden" mit Herzblut betrieben und uns auf diese Weise einen Ruf erarbeitet, der uns auch 30 Jahre nach der Wende, den für heute überlebenswichtigen Bekanntheitsgrad in unserer Region verschafft hat. Dass darunter die Familie oft geseufzt und gelitten hat, kann uns nicht stolz machen...