26/12/2022
Das heiße Eisen
Rassismus ist für mich ein heißes Eisen. Darüber zu schreiben ist nicht einfach für mich. Zum einen möchte ich es "richtig" machen, zum anderen ist es ein sehr persönliches Thema für mich. In meiner Herkunftsfamilie ist Rassismus allgegenwärtig. Es gibt kein Treffen, bei dem ich mir nicht eindeutige Sätze und Vorurteile anhören muss. Das war schon immer so.
Rassismus ist mir dann, ausser oben genannt, weil ich darum weiss, immer dann begegnet, wenn ich nicht damit gerechnet habe. Diese gemeinen Zwischentöne, dieses selbstverständliche Aburteilen, diese Ignoranz, diese Gefühlskälte.
Ich traf in Accra ein Paar, das seit 35 Jahren durch Afrika reist. Und diese Leute hatten nur verachtende Worte über Bootsflüchtlinge und Afrikaner im Allgemeinen übrig.
Der Arzt in der Tropensprechstunde, die nette Kollegin, die Geflüchtete unterrichtet und dumme Bemerkungen macht. Ehemalige Kundinnen, die mir offen ins Gesicht sagen, dass meine Ehe scheitern wird.
Süsse, weltoffene Traveler, die mich Diskriminierendes über meinem Mann fragen. Der Nachbar im Dorf, der etwas ganz Übles über Migranten sagt, als wir ihn beim Spaziergang treffen. Beim Ausflug im Besen beim Maultaschen essen wird gehetzt, dass es selbst dem Teufel graust.
Und das passiert so ganz nebenbei und zeigt doch, wie stark wir alle geprägt sind.
Wir alle. Was Du etwa auch?
Ja, ich auch.
Ich habe vor ein paar Jahren erkannt, dass ich selbst in einem rassistischen System sozialisiert bin. Dadurch habe ich manches besser verstanden. Davor hatte ich eine klare Abwehrhaltung " Nein, ich doch nicht. Meine Gedanken sind rein". Nein, leider auch nicht.
Was kann man also tun?
Dazu im nächsten Post mehr.